Rollstuhl-Anhänger: Rollstuhl transportieren ohne teuren Fahrzeugumbau

Rollstuhl-Anhänger: Rollstuhl transportieren ohne teuren Fahrzeugumbau

Ein Rollstuhl muss regelmäßig transportiert werden – zum Arzt, ins Krankenhaus, in die Reha, in den Urlaub oder einfach im Alltag. Viele denken dabei sofort an einen speziell umgebauten Transporter mit Rampe oder Hebebühne. Doch ein solcher Umbau kostet schnell mehrere tausend Euro und lohnt sich nicht für jeden.

Wenn du den Rollstuhl lediglich transportieren oder wettergeschützt aufbewahren möchtest, findest du oft eine deutlich günstigere Lösung: einen Rollstuhl-Anhänger. Je nach Ausführung eignet er sich zum Transport von manuellen Rollstühlen oder Elektrorollstühlen, als mobile Rollstuhlgarage oder sogar als geschützter Lagerraum.

In diesem Beitrag erfährst du, welche Arten von Rollstuhl-Anhängern es gibt, worauf du beim Transport achten solltest und welche rechtlichen Vorschriften gelten.

Wie wird ein Rollstuhl normalerweise transportiert?

Für den Transport eines Rollstuhls mit einer darin sitzenden Person werden in der Regel speziell umgebaute Fahrzeuge eingesetzt. Dabei handelt es sich meist um Transporter, Kleinbusse oder Minivans, die barrierefrei ausgestattet sind.

Zur typischen Ausstattung gehören:

  • ein separater Rollstuhlstellplatz,
  • vier Rollstuhl-Rückhaltegurte (zwei vorne, zwei hinten),
  • ein Sicherheitsgurt für den Rollstuhlfahrer,
  • eine mechanische Auffahrrampe oder
  • eine elektrische Hebebühne bzw. Plattformlift.

Diese Fahrzeuge ermöglichen es, den Rollstuhlfahrer sicher im Rollstuhl sitzend zu transportieren.

Der Nachteil: Fahrzeugumbau und Spezialausstattung verursachen hohe Anschaffungs- und Wartungskosten.

Rollstuhl-Anhänger – eine kostengünstige Alternative

Nicht jeder benötigt einen vollständigen Fahrzeugumbau. Soll lediglich der Rollstuhl transportiert werden, kann ein Rollstuhl-Anhänger oder ein Heckträgersystem für die Anhängerkupplung eine sinnvolle Alternative sein.

Ein Rollstuhl-Anhänger eignet sich beispielsweise für:

  • Privatpersonen,
  • Angehörige,
  • Pflegedienste,
  • Fahrdienste,
  • Pflegeheime,
  • Sanitätshäuser,
  • Vereine oder Reha-Einrichtungen.

Er bietet ausreichend Platz für einen oder mehrere Rollstühle und schützt diese – je nach Bauart – auch vor Regen, Schmutz und Diebstahl.

Darf eine Person im Rollstuhl auf dem Anhänger sitzen?

Die Antwort lautet eindeutig: Nein.

Ein Rollstuhl-Anhänger ist ausschließlich für den Transport von Ladung zugelassen. Er ist nicht für die Beförderung von Personen vorgesehen.

Der rechtliche Hintergrund:

Nach deutschem Verkehrsrecht dürfen Personen grundsätzlich nur auf dafür zugelassenen Sitzplätzen eines Kraftfahrzeugs befördert werden. Diese müssen unter anderem über geeignete Sitze, Sicherheitsgurte und Rückhaltesysteme verfügen.

Ein Rollstuhl-Anhänger erfüllt diese Voraussetzungen nicht und besitzt keine Zulassung zur Personenbeförderung.

Merksatz

Beim Transport eines Rollstuhls auf einem Rollstuhl-Anhänger darf sich keine Person im Rollstuhl befinden. Der Anhänger dient ausschließlich dem Transport des Rollstuhls.

Der Rollstuhlfahrer muss daher:

  • auf einem zugelassenen Fahrzeugsitz im Pkw oder Transporter mitfahren oder
  • bis zur Abfahrt im Haus, Pflegeheim oder Krankenhaus bleiben.

Rollstuhl im Pkw transportieren

Viele manuelle Rollstühle lassen sich mit wenigen Handgriffen zusammenklappen. Dadurch benötigen sie vergleichsweise wenig Platz und können häufig auch im Kofferraum oder Innenraum eines normalen Pkw transportiert werden.

Voraussetzung ist jedoch, dass der Rollstuhlfahrer während der Fahrt auf einem regulären Fahrzeugsitz sitzt und ordnungsgemäß angeschnallt ist.

Alternative: Tragestuhl

Im Krankentransport wird häufig statt eines Rollstuhls ein Tragestuhl verwendet.

Seine Vorteile:

  • schnelle Befestigung im Fahrzeug,
  • Fixierung über eine Bodenschiene,
  • integriertes Gurtsystem,
  • platzsparend,
  • für enge Treppenhäuser geeignet.

Auch für Elektrorollstühle gibt es spezielle Transportlösungen.

Wofür eignet sich ein Rollstuhl-Anhänger?

Ein Rollstuhl-Anhänger kann deutlich mehr als nur den Transport übernehmen.

Typische Einsatzbereiche sind:

  • Transport eines oder mehrerer Rollstühle
  • Transport von Elektrorollstühlen
  • sichere Aufbewahrung
  • Schutz vor Witterung
  • mobile Rollstuhlgarage
  • Alternative zur Rollstuhlbox
  • Lagerung von Zubehör wie Ladegeräten oder Rampen
  • Einsatz bei Veranstaltungen oder auf Reisen

Welche Arten von Rollstuhl-Anhängern gibt es?

Je nach Bedarf kommen unterschiedliche Anhängertypen infrage.

Beliebt sind beispielsweise:

  • Kastenanhänger mit Plane
  • Kofferanhänger
  • absenkbare Anhänger
  • Kippanhänger
  • Motorradanhänger
  • individuell ausgebaute Spezialanhänger
  • in Einzelfällen auch umgebaute Wohnwagen

Besonders praktisch sind Modelle mit einer niedrigen Ladekante oder einer Auffahrrampe.

Welche Ausstattung ist sinnvoll?

Nicht jeder Anhänger muss speziell als Rollstuhl-Anhänger gebaut sein.

Entscheidend ist vielmehr eine sichere Ladungssicherung.

Empfehlenswert sind:

  • stabile Zurrösen,
  • Airlineschienen,
  • Spanngurte,
  • Rollstuhl-Rückhaltesysteme,
  • rutschfester Boden,
  • Auffahrrampe,
  • Diebstahlsicherung.

Je nach Bedarf kann ein Standardanhänger entsprechend nachgerüstet werden.

Darf man mit einem Rollstuhl-Anhänger auf einem Behindertenparkplatz parken?

Grundsätzlich ja, sofern die Voraussetzungen erfüllt sind.

Erforderlich sind:

  • ein gültiger blauer EU-Parkausweis,
  • die berechtigte Person wird tatsächlich befördert,
  • der Parkausweis liegt gut sichtbar im Fahrzeug,
  • das Gespann behindert keine anderen Verkehrsteilnehmer,
  • der Anhänger überschreitet die Parkfläche nicht erheblich.

Nicht zulässig ist das Parken, wenn lediglich der Rollstuhl transportiert wird und die berechtigte Person gar nicht mitfährt.

Fahrrad-Rollstuhl-Anhänger

Auch für Fahrräder gibt es spezielle Anhänger zum Transport eines Rollstuhls.

Sie eignen sich beispielsweise:

  • für kurze Wege,
  • Ausflüge,
  • Camping,
  • innerstädtische Transporte.

Natürlich müssen dabei die Vorschriften der Straßenverkehrs-Ordnung (StVO) eingehalten werden.

Anhänger, die vom Rollstuhl gezogen werden

Neben Rollstuhl-Anhängern für Autos gibt es noch eine weitere interessante Kategorie: Anhänger, die direkt von einem Rollstuhl gezogen werden.

Sie werden an einem manuellen oder elektrischen Rollstuhl befestigt und dienen dem Transport von:

  • Einkäufen,
  • Gepäck,
  • Werkzeug,
  • Sauerstoffgeräten,
  • Freizeit- und Campingausrüstung,
  • Haustierbedarf oder anderen Alltagsgegenständen.

Vor allem bei längeren Ausflügen oder Reisen können solche Rollstuhl-Anhänger den Alltag erheblich erleichtern.

Barrierefreie WC-Anhänger – ebenfalls eine interessante Lösung

Im Zusammenhang mit barrierefreien Veranstaltungen werden häufig auch rollstuhlgerechte Toilettenanhänger eingesetzt.

Typische Ausstattung:

  • barrierefreies Unisex-WC mit Haltegriffen,
  • unterfahrbarer Waschtisch,
  • Urinal,
  • Wickeltisch,
  • Alurampe,
  • rutschhemmender Boden,
  • großzügige Bewegungsfläche für Rollstuhl oder Rollator,
  • auf Wunsch Desinfektionsspender.

Viele Modelle verfügen über ein absenkbares Fahrgestell, das per Knopfdruck abgesenkt wird und so einen besonders einfachen Zugang ermöglicht.

Fazit

Ein Rollstuhl-Anhänger ist für viele Menschen eine praktische und wirtschaftliche Alternative zum kostspieligen Umbau eines Fahrzeugs. Er eignet sich hervorragend zum Transport und zur geschützten Aufbewahrung von Rollstühlen und Elektrorollstühlen. Voraussetzung ist jedoch, dass der Rollstuhl während der Fahrt unbesetzt ist und fachgerecht als Ladung gesichert wird. Wer diese Regeln beachtet und den passenden Anhängertyp wählt, erhält eine flexible Lösung für Alltag, Reisen und den professionellen Einsatz.

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